Ein Wort vorab...
Plädoyer für ein Geschichtsbewusstsein, das auch heute trägt
Die sogenannte Säuberung in den Ostkantonen ist ein dunkles Kapitel. Die Auseinandersetzung mit ihr ermöglicht einen Blick in eine zu tiefst verletzte Seele einer ganzen Grenzbevölke rung, die durch das Spiel der „Vaterländer" im 20. Jahrhundert sowohl Opfer als auch Täter wurde.
Doch in diesem Thema steckt mehr - mehr als nur ein Stück Regionalgeschichte.
Die Säuberung ist Folge jenes wohlgemeinten Bemühens des demokratischen, freiheitlichen belgischen Staates, mit rechtsstaatlichen Mitteln all jene Menschen zur Rechenschaft ziehen, die mit Nazideutschland, dem verhassten Besatzer, kollaboriert hatten. Diese Besatzung war nicht nur militärischer, sondern auch weltanschaulicher Natur.
Ein Zeitzeuge aus den Ostkantonen fasste 1945 zusammen, was damals auf dem Spiel stand: „1940 war ich belgischer Soldat. Belgien kapitulierte. Unser Gebiet wurde durch das Dritte Reich annektiert. Ich blieb Landwirt bis zum 8. Februar 1942. Dann wurde ich zwangsweise zur Wehrmacht eingezogen. Ich desertierte am 30. Mai 1942 undfloh in einen Ort nahe Bastogne. Mein Chef wurde durch einen Unbekannten bei der Feldkommandantur von Bastogne denunziert. Ein anonymer Brief war an die Kommandatur geschickt worden. Dieser fiel aber in eine glückliche Hand, die ihn verbrannte. Ich floh daraufhin nach Hardingies, wo ich in Ruhe bis zur Befreiung leben konnte. Während dieser Evakuierung war ich Mitglied der ,armée secrète'.
Im Jahr 1941 befand ich mich in der Kneipe unseres Ortes (...). Anstatt mit den Worten ,Heil Hitler' zu grüßen, sagte ich ,Heil Moskau'. Unter den Anwesenden befand sich X aus dem Ort. Dieser Mann war Freiwilliger bei der SA und hatte in Deutschland eine Schulung für diese Organisation absolviert. Anschließend wurde er Mitglied der NSDAP und schließlich deutscher Soldat.
Nach meiner Begrüßung in der Kneipe stand er auf, ohrfeigte mich mehrmals, zog sich zurück und bewaffnet sich mit einer Eisenstange, mit der er mir einen Stoß in die Brust versetzte. Sein Nazismus war befriedigt.
Acht Tage waren verstrichen, als die Polizei bei mir erschien, um mich vorzuladen. Um 11.00 Uhr sollte ich den Ortsbauernführer aufsuchen. Ich war durch X denunziert worden. Ich begab mich zu dem besagten Ort und fand dort neun Mitglieder der NSDAP vor.

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